







Amazon ist sicher jedermann ein Begriff. Wie kaum ein anderes Unternehmen hat Amazon die eigene Business Transformation in den letzten Jahren vollzogen. Zunächst vom Buch-Versender zum Vollsortiment-Versender, danach zur universellen Handels- und Service-Plattform und aktuell zum Big-Player im Cloud-Computing. Als Marktteilnehmer erlauben wir uns eine prägnante Betrachtung - rein subjektiv.
Während ebay in den letzten Monaten/Jahren offensichtlich die Puste ausgeht oder anders gesagt, man sich in teilweise nur schwer integrierbaren Randaktivitäten verstrickt hat, ist amazon.com (die Landesgesellschaften sind i.d.R. nichts weiter als Vertriebsgesellschaften und hiernach uninteressant in dieser Betrachtung) stetig gewachsen. Seit einigen Jahren schließen regelmäßig schwarze Zahlen die Berichtsperioden ab. Hinter der allgemeinen Wahrnehmung des immer horizontaler aufgestellten Online-Versenders ist ein Technologie Gigant entstanden. Bereits vor einigen Jahren sprach Walter Vogel davon, daß amazon.com im wesentlichen "a technology rather than a mailoder company" wäre. War amazon.com den meisten Konkurrenten (den deutschen Platzhirschen im besonderen) mit seinen Collaborative Filtering, Customer metrics und Recommendation engines meilenweit voraus, so ist doch erst die Vermietung von Rechenkapazität mit Namen "EC2" das globale "Hallo wach" gewesen.
Von reinem Betrieb von virtuellen Instanzen, über Speicherdienste (S3) und neuerdings fertig konfigurierten Hadoop-Systeme erstreckt sich das ganze neue Universum, daß amazon.com der Welt der Informations-Technologie anbietet. Während viele andere versuchten zu klären, ob Cloud-Computing oder doch eher Grid-Computing die sinnvollere Bezeichnung ist, hat amazon.com im Kern eine Lösung für sein angestammtes Geschäft gesucht: Was machen wir mit Überkapazitäten, die wir für starke Phasen (Weihnachen, Schul-/Universitätsbeginn, etc.) aufgebaut haben, wenn diese nicht benötigt werden? Aus der Ferne läßt sich sagen, herzlichen Glückwunsch, das die Basis-Architektur diesen Schwenk so unproblematisch mitmachte!
Aber was ist Stand heute (April 2009) amazon.com's Kerngeschäft? Wie wird sich dieser Cloud Teil weiter entwickeln?
Unsere Empfehlung (IMHO - wohlgemerkt) lautet:
Jeff Bezos sollte sich genau überlegen, wann der "richtige" Zeitpunkt für ein Spin-off ist. Das empfohlene Szenario sähe vor, amazon.com splittet sich auf in den Mailoder Part (amazon.com) und den Infrastruktur Part (aws). amazon.com wird exklusiver Premium Kunde von aws. Aber aws ist unabhängig und kann ernstzunehmend als Infrastrukturanbieter auftreten. Ein ordentliches Partnermodell ist einfacher machbar, Internationalisierung und vor allem Lokalisierung wird besser möglich. Trotz Krisenzeiten wetten wir, daß es sicherlich genug Venture-Companies finden würden, die solch einen Weg unterstützen.